• Gesine Schulz

Zur Mühlen, Hermynia

Hermynia Zur Mühlen


*12. Dezember 1883 Wien - 20. März 1951 Radlett, Hertfordshire / England.

Hermine Isabella Maria Viktoria Zur Mühlen, geb. Gräfin Folliot de Crenneville-Poutet

Schrieb auch unter den Pseudonymen Maria Berg, Lawrence H. Desberry, Traugott Lehmann, Franziska Mari(s)a Rautenberg, Franziska Maria Tenberg.


Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin aus dem Englischen, Französischen, Russischen, Lehrerin.

Heiratete 1907 einen baltischen Grafen. Zog 1919 nach Berlin, 1933 zurück nach Wien. Emigrierte 1938.

In zweiter Ehe verheiratet mit dem Schriftsteller und Übersetzer Stefan (Isidor) Klein (1889 Wien - 1960 Saint Albans / Hertfordshire).

Schrieb Romane, Kinder- und Jugendbücher, Kurzgeschichten, Hörspiele, Kriminalromane und "sozialistisch und antfaschistisch engagierte Gesellschaftsromane"(perlentaucher.de).


Für ihre Erzählung "Schupomann Karl Müller" (1924) brachte ihr "wegen Unterwühlung der Moral der Schutzpolizei" einen Prozess wegen Hochverrats ein, in dem sie aber freigesprochen wurde.


Ihr Nachlass gilt als verschollen. Hermynia Zur Mühlen wurde in Radlett / Hertfordshire begraben, allerdings unter dem Namen "Hermynia Kleinova", weswegen ihr Grab jahrzentelang unentdeckt blieb (laut Ailsa Wallace: Tales of the Runaway Countess, s. Sekundärliteratur).



WERKE (Auswahl)

An den Ufern des Hudson. Roman / Lawrence H. Desberry. Aus dem amerikanischen Manuskript übertragen von Hermynia Zur Mühlen. Jena: Neue Welt Verlag, 1925. 200 S.


Der blaue Strahl / L. H. Desberry. Aus dem englischen Manuskript übertragen von Hermynia Zur Mühlen. Stuttgart: Wagner; Leipzig: F. Foerster, 1922. 214 S.; kl. 8° (Die Spannung, Bd 5)


Der Fememord in New York / Lawrence H. Desberry. Jena: Neue Welt Verlag, 1929.


Im Schatten des elektrischen Stuhls. Roman / Lawrence H. Desberry. Aus dem amerikanischen Manuskript übertragen von Hermynia Zur Mühlen. Baden-Baden: Merlin-Verlag, 1929. 252 S. (Die fesselnden Romane des Merlin-Verlages)


Schupomann Karl Müller. Eine Erzählung / Hermynia Zur Mühlen. Berlin: Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten, 1924. 30 S. kl. 8


Die weiße Pest. Ein Roman aus Deutschlands Gegenwart / Traugott Lehmann. Berlin: Vereinigung Internationaler Verlagsanstalten, 1926. 195 S

Die weiße Pest. Roman / Hermynia Zur Mühlen. Hrsg. und mit einem Nachwort von Manfred Altner. Berlin: Verlag Tribüne, 1987. 207 S.

Der Roman erschien 1926. Es ist die Zeit der Schwarzen Reichswehr, die Angst und Schrecken wie eine Seuche – die "weiße Pest" – unter der Bevölkerung verbreitet und Opfer fordert. Ein "schwarzes" Auto fährt durch Berliner Vororte. Ein weiterer Mord wurde verübt. Die Polizei verhaftet einen Unschuldigen, einen Kommunisten. Seine Braut kämpft um sein Leben mit eigenwilligen Mitteln und klugen Verbündeten: einer ungarischen Baronin und einem kommunistischen Rechtsanwalt.

Zur Mühlen (1883-1951) enthüllt in ihrem Roman das System von Mord und Totschlag, das die Schwarze Reichswehr praktiziert und nimmt bei ihrer Darstellung auch die Spannungstechnik des Kriminalromans auf. (ekz zur Neuausgabe von "Die weiße Pest", 1987)


ÜBERSETZUNGEN

Russisch:

E.M.S. Roman / Lawrence Desberry. Leningrad: Priboy, 1926.


Polizejsij Mjuller / Hermynia Zur Mühlen. Moskau: Isdatel´stvo Meschrabpom, 1924. - Orig.titel: Schupomann Karl Müller.


Schwedisch:

Elektriska stolen väntar / Lawrence H. Desberry. Övers. från tyskan av Ernst Rudolf Lindqvist. Stockholm: Chelius, 1931. 223 S.


Veranstaltung am 21. November 2002 im Literaturhaus Wien:

Zum Tee bei Hermynia Zur Mühlen

Mit Vorträgen von Christiane Zintzen, Eckart Früh, Wolfgang Maderthaner und Deborah Vietor-Engländer sowie Lesungen von Stephanie Taussig u. a. aus "Der Angeklagte lächelt".



AUTOBIOGRAPHISCHE ZEUGNISSE

Zur Mühlen, Hermynia: Nebenglück. Ausgewählte Erzählungen und Feuilletons aus dem Exil. Herausgegeben von Deborah J. Vietor-Engländer, Eckart Früh und Ursula Seeber. Bern, Berlin: Peter Lang, 2002. 279 S. (verboten, verbrannt, vergessen. Bd 6).

Enthält u. a.: Autobiographische Geschichten und eine Bibliographie der Veröffentlichungen von und über Hermynia Zur Mühlen in österreichischen Medien.


Zur Mühlen, Hermynia: Ende und Anfang. Ein Lebensbuch / Hermynia Zur Mühlen. Berlin: Fischer, 1929. 270 S. -- Neuausgabe: Berlin: Aufbau-Verlag, 1976.


Zur Mühlen, Herminia: The Runaway Countess / Hermynia Zur Mühlen. Translated from the German Frank Barnes. New York: Jonathan Cape & Harrison Smith, 1930. 276 S. - Originaltitel: Ende und Anfang.



SEKUNDÄRLITERATUR

Altner, Manfred: Hermynia Zur Mühlen: eine Biographie. Bern 1997. 257 S.


Gürtler, Christa und Sigrid Schmid-Bortenschlager: Österreichische Schriftstellerinnen 1918 - 1945. Fünfzehn Porträts und Texte. Salzburg: Residenz-Verlag, 2002. 320 S. -- Biografischesm, Textproben, Porträtfoto, Werkverzeichnis.


Herts Advertiser and St. Albans Times. 22 March 1951 (Nachruf)


King, Lynda J.: From the Crown to the Hammer and Sickle. The Life and Works of Austrian Interwar Writer Hermynia zur Mühlen. In: Women in German Yearbook. Feminist Studies in German Literature & Culture. Volume 4, 1988. Lanham, MD: University of Nebraska Press. S. 125-


Die rote Gräfin. Leben und Werk Hermynia Zur Mühlens während der Zwischenkriegszeit (1919-1933). Hrsg. von Susanne Blumesberger und Jörg Thunecke. Wien: Praesens Verlag, 2019. 265 S., 18 ungezählte Seiten, Illustrationen.

Aus dem Vorwort: Der vorliegende Sammelband basiert auf einer Tagung, die unter dem Titel "Roter Adel und Hochverrat. Hermynia Zur Mühlen (1883-1951) und ihr Kampf um eine gesellschaftsverändernde Literatur" am 25. November 2008 am Institut für Wissenschaft und Kunst (Wien) … stattfand.


Wallace, Ailsa: Tales of the Runaway Countess: Gender and Politics in Herrnynia Zur Mühlen's Literature for Girls. In: Women in Europe Between the Wars. Politics, Culture And Society. Hrsg. von Angela Kershaw. 2007. S. 93 - 108.

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