• Gesine Schulz

Annette von Droste-Hülshoff

Droste-Hülshoff, Annette von

*10. (12.?) Januar 1797 auf Schloß Hülshoff bei Roxel in der Nähe von Münster - 24. Mai 1848 in Meersburg am Bodensee

Anna Elisabeth ("Annette") Franziska Adolfina Wilhelmine Luise Maria Freiin von Droste zu Hülshoff. Veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Elisabetha.


Dichterin, Schriftstellerin und Komponistin.


Annette von Droste-Hülshoff, die einzige Schriftstellerin, die in keiner deutschen Literaturgeschichte fehlt und eine der wenigen Frauen, deren Porträt einen deutschen Geldschein zierte, kämpfte ein Leben lang gegen die Erwartungen ihres Standes und ihrer Familie, die literarische Leistungen, gar von einer Frau, nicht ernstnahmen und öffentliches Auftreten grundsätzlich ablehnten.

Drostes eigene Ambivalenz ihrer weiblich-ständischen und ihrer dichterischen Rolle gegenüber prägt fast all ihre Arbeiten und trägt sehr zu ihrer heutigen Wirkung bei. Die mikroskopisch genau beobachteten Bilder ihrer Naturlyrik und Balladen vermitteln in ihren oft geheimnisvollen, schauerlichen Stimmungen, mit ihren Spiegelbildern und DoppelgängerInnen psychologische Einsicht in die Gespaltenheit des modernen Menschen.

Die geniale Kriminalerzählung Die Judenbuche verweist auf die Unsicherheit aller Erkenntnis. (…)

Joey Horsley 1986 auf https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/annette-von-droste-huelshoff/


Sie starb 1848 mit nur 51 Jahren. Ihr Grab liegt auf dem Friedhof in Meersburg am Bodensee.


Kriminalgeschichten:


Joseph. Eine Kriminalgeschichte. In: Sämtliche Werke / Annette von Droste-Hülshoff. In Verbindung mit Bertha Badt und Kurth Pinthus hrsg. von Karl Schulte-Kemminghausen, Bd. 3. München: G. Müller, 1925.


Die Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen.

Erschien zuerst als Fortsetzungsroman in 16 Teilen im: "Morgenblatt für gebildete Leser", 22. April 1842 - Mai 1842, Nr. 96 - 111.


Annette von Droste's Judenbuche. Ein Sittengemälde aus dem gebirgigen Westphalen / Von Annette E. Freiin von Droste zu Hülshoff. Münster: Aschendorff, 1882. 64 S. (Meisterwerke unserer Dichter, Bd 18)

Eine frühe Buchausgabe der Novelle, der viele folgten, auch solche, die "für die Jugend" herausgegeben wurden (1907) und eine in "vereinfachter deutscher Stenographie Einigungssystem Stolze-Schrey" (1911).


Die Judenbuche. In: Verbrechergeschichten. Kleist, Schiller, Hebbel, Heine, Hoffmann, Eichendorff, Arnim, Droste-Hülshoff. Herausgeber: Julius Zeitler. Leipzig: Tempel-Verlag, 1924. 476 S. (Klassische deutsche Erzähler, Bd. 3)


Die Judenbuche. Eine Kriminalerzählung / Annette von Droste-Hülshoff. Illustrationen Karel Hruška. Prag: Vitalis, 1999. 83 S.


Die Judenbuche. Nach Annette von Droste-Hülshoff. Graphic Novel. Text: Julian Voloj, Illustrationen von Claudia Ahlering. Mit einem Nachwort von Jochen Grywatsch. München: Knesebeck, 2017. 131 S.

Der Klassiker Die Judenbuche von Annette von Droste-Hülshoff gilt bis heute als Meisterwerk, dessen Geschichte nichts an Aktualität verloren hat. Kriminalroman und Milieustudie zugleich, werden in der Erzählung Fragen von Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne aber auch von Intoleranz und Vorurteilen thematisiert. Die Symbolkraft der Natur spielt eine große Rolle.

Friedrich Mergel durchlebt nach dem Tod seines Vaters in einem westfälischen Dorf eine Jugend als Außenseiter. Nach und nach wird er in die Machenschaften seines Onkels verwickelt. Nach dem Mord an dem Juden Aaron unter einer Buche flieht Fríedrich zusammen mit seinem einzigen Freund.

Die jüdische Gemeinde kauft den Baum und bringt in der Hoffnung auf höhere Gerechtigkeit für den ungesühnten Mord eine Spruch mit einer Warnung an. Eines Tages findet man tatsächlich einen Toten unter dem Baum ...

Die düster-bedrohliche Atmosphäre der Handlung wird in dieser Graphic Novel durch die Zeichnungen der namhaften Illustratorin Claudia Ahlering, die dem Stil der Zeit entsprechen, aufgegriffen und betont. (Verlagstext)

Mevrouw van Ginkel. Eine Kriminalgeschichte / Annette von Droste-Hülshoff. Mit einem Nachwort herausgegeben von Josefine Nettesheim. Holzschnitte von Hans Pape. Münster: Regensberg, 1951. 68 S. (Regensbergs Kleine Reihe)

"Die Dichterin der 'Judenbuche' (...) ist noch kaum bekannt als Verfasserin einer anderen 'Kriminalgeschichte' (...) Es ist ein Spätwerk der Droste, wahrscheinlich 1844 entstanden (...), ein Fragment mit dem Titel 'Joseph', das als erstes, in sich geschlossenes Ereignis die Geschichte des Kassierers Steenwick enthält, eine Schachtelerzählung, in den doppelten Rahmen der Lebenserinnerungen der Frau van Ginkel und der Aufzeichnungen dieser Erinnerungen durch den Rentier Bernjer eingespannt." Josefine Nettesheim im Nachwort von "Mevrouw van Ginkel", S. 47.


HÖRBUCH (Auswahl)

Die Judenbuche. Eine Erzählung; ungekürzt / Annette von Droste-Hülshoff. Gelesen von Sabine Falkenberg. Braunschweig: Schroedel, 2007. ISBN 978-3-507-47301-0


Angelica Domröse liest Annette von Droste-Hülshoff, Die Judenbuche. Regie: Dirk Schwibbert. Berlin: Argon-Verlag, 2006. 2 CDs (Argon-Hörbuch) ISBN 3-87024-053-9


ÜBERSETZUNGEN (Auswahl)

Dänisch

Jøde-Bøgen. En Milieuskildring fra det bjergrige Westfalen / Annette v. Droste-Hülshoff. Autoriseret Oversættelse ved Knud Gantzel Flensborg: Slesvigsk Forlag, 1923. 77 S.


Englisch

Joseph. A crime story. Translation: Sydney G. Swan. Online: https://www.droste-portal.lwl.org/de/english/

The Jew's Beech / Annette von Droste-Hülshoff. Transl. by Lionel and Doris Thomas. London: Calder & Boyars, 1953. 80 S. (Translations of European classics)


The Jew's Beech / Annette von Droste-Hülshoff. In: Eight German novellas / translated by Michael Fleming; with an introduction and notes by Andrew J. Webber. Oxford: Oxford University Press, 1997. xxxii, 372 S. (World's classics)


The Jew's beech. Translation: Sydney G. Swan. Online: https://www.droste-portal.lwl.org/de/english/

The Jew's Beech-tree. In: The German Classics of the nineteenth and twentieth centuries. Masterpieces of German literature translated into English with a general introduction and biographical essays. Vol. 7. Editor-in-chief: Kuno Francke. New York, German Publication Society, 1914. S. 437 - 796.


The Jew's Beech tree. In: Three eerie tales from 19th century German/ Introd. by Edward Mornin. New York: F. Ungar Pub. Co., 1975. 272 S. -- Enthält: Jeremias Gotthelf: The black spider. Annette von Droste-Hülshoff: The Jew's beech tree. Theodor Storm: The rider on the white horse.


Französisch

Le hétre aux juifs. Scénes de la vie des montagnards westphaliens = Die Judenbuche. Ein Sittengemaelde aus dem gebirgichten Westfalen / Annette v. Droste-Huelshoff. Introd. par Dominique Jehl; Trad. et notes par Pierre Brachin. Paris: Aubier-Montaigne, 1958. 175 S. (Bilingue des classiques étrangers: littérature allemande)


Hebräisch

ʻEts ha-Yehudim / Aneteh fon Drosteh-Hilshof; tirgemah min ha-makor ha-Germani ve-tsiyerah Le'ah Goldberg. Tel-Aviv: Devir, 1970. 71 S.

Enthält auch die hebräische Übersetzung von "Geschichte eines Algierer Sklaven" von August Freiherr von Haxthausen.


Holländisch

De jodenbeuk. Een zedenschildering uit het bergachtige Westfalen / A. von Droste-Hülshoff. Vert. door Elly Schippers; met een naw. van Hans Ester. Tricht: Goossens, 1984. 83 S.


Italienisch

Il Faggio degli Ebrei / Annette von Droste-Hülshoff. Edizione italiana a cura di Francesco Politi; con una nota introduttiva di Josef Kunz; e un profilo biografico-critico di Ernst Alker. Rom: Salerno Editrice, 1987. 120 S. (Omikron, 23)


Il faggio degli ebrei: con testo a fronte / Annette von Droste-Hülshoff. A cura di Uta Treder. Trad. dal tedesco di Laura Ducati. Venedig: Marsilio, 1998. 242 S. (Letteratura universale Marsilio)


Japanisch

運命の樹 Unmei no ki / Annette Elisabeth Freiin von Droste-Hülshoff; Fujio Nagano. Tokio: Kobunsha, 1949.


Spanisch

El haya de los judíos; Ledwina / Annette von Droste-Hülshoff; Ana Isabel Almendral. Madrid: Cátedra, 1996.


Tschechisch

Židův buk / Annette von Droste-Hülshoff. Přeložil z němčiny O. Reindl. Brno: Jan V. Pojer, 1938. 93 S. (Edice Atlantis, 39)


Ungarisch

A zsidóbükk. Erkölcskép a vestfáliai hegyekböl / Annette Freiin von Droste-Hülshoff. Forditotta Szabó Lörinc. Berlin-Dahlem: Kampmann, 1941. 70 S. (Kazinczy könyvtár, 2)


FILM

My Songs Will Live When I Am Dust. Annette Von Droste-Hülshoff / Heiderose Leopold. Princeton, NJ: Films for the Humanities & Sciences, 2002. DVD.

Berlin: Deutsche Welle TV, 1997. Video.

"This program visits Castle Hülshoff, [von Droste-Hülshoff's] Westphalian birthplace; the Rüchhaus; and Meersburg Castle on Lake Constance, where she experienced her period of greatest productivity. Aspects of her life, such as her need for solitude amid nature, and the qualities of isolation, melancholy, reverie, and longing inherent in her writing are discussed."


Annette von Droste-Hülshoff 1797 - 1848. Kurz-Dokumentarfilm / Angelika Legge, Regie. München: Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU), 1986. 15 Min.



IN ROMAN / KINDERBUCH / GRAPHIC NOVEL (Auswahl)

Duve, Karen: Fräulein Nettes kurzer Sommer. Roman. Berlin: Galiani Berlin, 2018.

580 S.


Franck, Hans: Annette. Droste-Roman. Hannover: Sponholtz, 1937. 443 S.

Neuauflagen in verschiedenen Verlagen, u. a. Berlin: Union-Verlag, 1966.


Funke, Cornelia: Annette, Querkus und die wilden Worte. Illustrationen von Sara-Christin Richter. Burg Hülshoff − Center for Literature, Havixbeck 2021. 32 S. Erhältlich in den Museums-Shops von Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus.

Kinder, Vorlesende und alle anderen dem Wald- und Wasserelf Querkus auf eine Erkundungstour durch die Droste-Landschaft folgen. Die Leser*innen lernen auf ihrem literarischen Spaziergang zwischen Drostes ehemaligen Wohnorten Burg Hülshoff und Haus Rüschhaus die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff kennen. Sie erfahren, wie sie gelebt und ihre Tage verbracht hat, sie tauchen ein in die Landschaft, durch die Droste oft wanderte, sie lesen Texte der Dichterin – und erleben so nicht nur die poetischen und alltäglichen Welten von Annette von Droste-Hülshoff, sondern erkunden auch den Wandel von Natur und Kultur von damals bis heute. Ein Poster im Buch ermöglicht den Leser*innen, entlang des Weges an zehn Stationen selbst zu zeichnen und so Fundstücke zu sammeln. (Verlagstext)


Kaiser, Maria Regina: Annette von Droste-Hülshoff. Dichterin zwischen den Feuern

Romanbiografie. Konstanz: Südverlag, 2021. 304 S.


Korschunow, Irina: Das Spiegelbild. Roman. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1992. 286 S.


Pöhlmann, Olga: Einsame Pfade: Die Jugend der Annette von Droste-Hülshoff. Ein kleiner Roman für junge Mädchen. Hrsg. von Rolf Italiaander. Mit Federzeichnungen von Kurt Gunderman. Leipzig: G. Weise, 1936. 119 S.


Die Judenbuche. Nach Annette von Droste-Hülshoff. Graphic Novel. Text: Julian Voloj, Illustrationen von Claudia Ahlering. Mit einem Nachwort von Jochen Grywatsch. München: Knesebeck, 2017. 131 S.


NACH IHR BENANNTE LITERATURPREISE

Der Droste-Preis. Erstmals 1957 vergeben, ist er der älteste Literaturpreis, der ausschließlich an deutschsprachige Autorinnen vergeben wird.


Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Wird alle zwei bis drei Jahre für besondere literarische Leistungen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe vergeben. Die Autor*innen müssen einen Bezug zu Westfalen-Lippe haben.



SEKUNDÄRLITERATUR (kleine Auswahl)

Annette von Droste-Hülshoff Handbuch / herausgegeben von Cornelia Blasberg und Jochen Grywatsch. Berlin: De Gruyter, 2018. XIII, 811 S.


Bautz, Friedrich Wilhelm: Droste-Hülshoff, Annette Freiin von. In: Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon. Band II (1990), Spalten 1385-1391. Umfangreiche Liste der Sekundärliteratur


Bernd, Clifford A.: Clarity and obscurity in Annette von Droste-Hülshoff's Judenbuche. Chapel Hill, N.C.: University of North Carolina Press, 1970.


Ditz, Monika und Doris Maurer: Annette von Droste-Hülshoff und ihre Freundinnen. Meersburg: Turm-Verlag, 2006. 144 S.


Dichterschwestern. Prosa zeitgenössischer Autorinnen über Annette von Droste-Hülshoff / Sarah Kirsch, Irina Korschunow, Angelika Jakob, Uta Treder, Renate Fueß, Mechthild Curtius, Ingeborg Sulkowsky, Elisabeth Plessen. Hrsg. von Walter Gödden. Paderborn: Ferdinand Schöningh, 1993. 117 S.


Eisenbeis, Manfred: Annette von Droste-Hülshoff, Die Judenbuche. Stuttgart: Klett, 2002. 71 S. (Lektüre easy)


Ein Gitter aus Musik und Sprache. Feministische Analysen zu Annette von Droste-Hülshoff. Herausgegeben von Ortrun Niethammer und Claudia Belemann. Paderborn: F. Schöningh, 1993.


Hawkins, Angela Rochelle: Understanding Contradiction. Solutions Posed by Reception Theory in Its Application to Annette Von Droste-Hülshoffs Die Judenbuche. 1990.


Huch, Ricarda: Einführung. In: Du Luft und ich und der uralte Stein. Gedichte; Die Judenbuche. Auswahl und Einführung von Ricarda Huch. Leipzig: Verlag Philipp Reclam, 1975. 392 S. (Reclams Universal-Bibliothek, 567)


Krus, Horst-Dieter: Mordsache Soistmann Berend. Zum historischen Hintergrund der Novelle "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff. 2., verb. Auflage. Höxter: Huxaria, 1997. 131 S. (Schriften der Droste-Gesellschaft, 19)


Nettesheim, Josefine: Ein Vermächtnis christlicher Lebensweisheit. In: Droste-Hülshoff: Mefrouw van Ginkel. Münster 1952. S. 45 - 65.

Über die Kriminalgeschichte "Mefrouw van Ginkel"


Ruhlig, Andrea: Annette von Droste-Hülshoff, Die Judenbuche. Unterrichtsvorschläge und Kopiervorlagen zu Buch, Audio book, CD-ROM. Berlin: Cornelsen, 2003. 48 S.


Toegel, Edith: Emily Dickinson and Annette Von Droste-Hülshoff. Poets As Women. Madrid: J. Porrúa Turanzas, S.A., 1982.


Wigbers, Melanie: Krimi-Orte im Wandel. Gestaltung und Funktionen der Handlungsschauplätze in Kriminalerzählungen von der Romantik bis in die Gegenwart. Würzburg: Königshausen und Neumann, 2006.

S. 44 - 53: Annette von Droste Hülshoff: Die Judenbuche. - Das 'Dorf B.' und das Brederholz - Die fehlende detektivische Instanz - Wirkung der Ortsgestaltung auf den Leser.


LINKS

Annette-von-Droste-Gesellschaft. Mit Veranstaltungshinweisen, Links zu den Museen http://www.droste-gesellschaft.de Droste-Portal https://www.droste-portal.lwl.org/

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